Das Lied der Geige


Artikel aus Kölner Stadtanzeiger.

„Und ... Action!“: Jens Gottschalk (r.) und seine Crew drehen in Euskirchen für einen Weihnachtsfilm.

Foto: Tom Steinicke

Euskirchen -

 „Heute ist Heiligabend“, sagt Jens Gottschalk – und das Anfang Januar. Der 76-jährige Euskirchener ist nicht etwa mit dem Datum durcheinandergekommen. Nein, er dreht aktuell einen Film. Genauer gesagt einen Weihnachtsfilm. Einen mit der Botschaft, dass man füreinander da sein sollte – sowohl in der Familie, als auch in der Gesellschaft. „Das Lied der Geige“ wird der Film heißen, für den am Dienstag weitere Szenen auf dem Alten Markt und der Fußgängerzone inszeniert wurden.

 

Die ersten Sequenzen des Films, der nach dem Schneiden maximal 30 Minuten lang sein soll, hat Gottschalk mit seinem Team bereits Anfang Dezember vor dem Veybach-Center gedreht. „Dabei ging es um die frühen Morgenstunden am Heiligabend. Jetzt sind wir schon am Nachmittag angekommen – mit einer Mischung aus Hektik und Vorfreude auf das Weihnachtsfest“, so Gottschalk.

 

Die einzelnen Charaktere seien schnell besetzt gewesen. Nur die Rolle des Protagonisten Milorad, einem Mann, der vor dem Krieg in seinem Heimatland geflüchtet ist, war lange unbesetzt. Mittlerweile konnte auch diese Figur mit Leben gefüllt werden. Peter Bruns aus Großbüllesheim hat sich aufgrund eines Zeitungsartikels bei Gottschalk gemeldet.

 

Der frei schaffende Orchestermusiker Bruns hat zum Dreh auf dem Alten Markt seine Geige mitgebracht. Mantel und Weihnachtsmütze erhält er aus einer Tüte von Requisiteurin Reinhilde Hunds. „Das ist meine erste Rolle in einem Film. Ich bin sehr gespannt“, sagt der Profimusiker und Hobby-Schauspieler.

 

Bevor die erste Szene überhaupt gedreht werden kann, gibt es Probleme. Der Geschäftsführer eines Modegeschäfts an der Neustraße möchte nicht, dass das Schaufenster in dem Film zu sehen ist. Also heißt es umziehen – ein Haus weiter.

 

Karl-Heinz Daniel vom Vorstandsstab der Kreissparkasse Euskirchen hat eine Statistenrolle übernommen. „Ich bin ein Mann, der ein Geschenk auf den letzten Drücker gekauft hat und dem Geiger ein paar Euro in den Geigenkasten wirft“, beschreibt er seine Rolle. Er hat sich einen alten Hut mitgebracht, den er aufsetzt, bevor Klaus Krafft die Kamera einschaltet.Von Regisseur Wolfgang Merz erhält er nach dem ersten Durchlauf einige Anweisungen: Er soll langsamer gehen und kurz vor dem Geiger stehen bleiben. „Einfach etwas weihnachtlich-bedächtig“, sagt Merz, der mit Gottschalk am Drehbuch schreibt und auch Regie führt.

 

Der Film basiert auf der Grundlage des Märchens „Das Lied der Geige“ von Ursula Beckert. Das Projekt wird realisiert vom Verein Filmwerkstatt Eifel. Der hat bereits zahlreiche Kurz- und Spielfilme sowie Dokumentationen produziert. Mit dem Spielfilm „Kette und Schuss“ machten die Eifeler auf sich aufmerksam. Beim Landesfilmfestival NRW 2013 des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren wurde „Kette und Schuss“ zum besten Film des Festivals gekürt. Aktuell erobert der Märchenfilm „Die Froschkönigin“ die Herzen der Jury und sicherte sich bereits den ersten Platz in einem Regionalwettbewerb.

 

Bis Ende Juli sollen alle Szenen im Kasten sein. Dann wird der Film geschnitten. „Die Premiere ist im November auf jeden Fall in Euskirchen“, sagt Gottschalk: „Wir arbeiten nicht auf die nächste Auszeichnung hin. Das kann man einfach nicht, da man nie weiß, wie der Film überhaupt ankommt.“

 

Der 76-Jährige ist nicht nur froh, dass er die Rolle des Geigers noch besetzt bekommen hat, sondern auch, dass kein Schnee in der Euskirchener Innenstadt liegt. „Die nächsten Szenen werden Anfang April gedreht. Da wäre es schwierig geworden, Schnee herbeizuzaubern“, sagt er. In der Kirche, in der dann unter anderem gedreht wird, müsse kurz vor Ostern noch mal eine Krippe aufgebaut werden. Auch ein Weihnachtsbaum werde benötigt. „Der steht noch in Wolfgangs Garten und wird dann geschlagen“, so Gottschalk.

 

– Quelle: http://www.ksta.de/25481162 ©2017 

Hier sind die ersten Bilder von den Dreharbeiten

 

1. Drehtag: Sonntag 7.00 Uhr - Minus 6 Grad Kälte - Drehbeginn


2. Drehtag

mit Fotos von Tom Steinicke

weitere Drehtage

mit Bildern von Hermann Josef Polzin